Die Geschichte dieser Website beginnt nicht mit einem großen Forschungsplan, sondern mit einer Kamera, die für ihren ursprünglichen Zweck nie eingesetzt wurde.
Die Kamera, die niemanden überwachen sollte
Eigentlich war die erste Kamera einmal als Überwachungskamera gedacht. Dafür wurde sie am Ende aber nie eingesetzt. Die Vorstellung, damit Nachbarn, Passanten oder Paketboten ungefragt zu filmen, war datenschutzrechtlich ungefähr so verlockend wie ein Wespennest im Rollladenkasten.
Also lag die Kamera herum und wartete auf eine sinnvollere Aufgabe – möglichst eine, bei der niemand eine Einwilligungserklärung unterschreiben musste.
Im Winter wurden im Garten ohnehin Igel und Meisen gefüttert. Irgendwann stellte ich die Kamera einfach vor den Futternapf der Igel. Mehr aus Neugier als mit einem großen Plan.
Die Kamera, die ursprünglich Menschen hätte überwachen sollen, dokumentierte nun Igel beim Abendessen – eindeutig die angenehmere Zielgruppe. Keine Beschwerden, keine Diskussionen über Persönlichkeitsrechte, nur gelegentlich ein deutliches Fauchen am Futternapf.
Die Igel-Peepshow
Eine Kamera sollte eigentlich nur einen Igel beim Fressen zeigen. Stattdessen lieferte sie Nacht für Nacht eine kleine Igel-Peepshow: Drängeln, Fauchen, Wegschieben, Stirnboxen und erstaunlich entschlossene Verhandlungen über die Besitzverhältnisse am Napf.
Diese erste Nahaufnahme des Gartenalltags machte neugierig auf mehr. Wenn schon direkt vor dem Futternapf so viel passierte, was lief dann gleichzeitig unter der Feige, an den Futterstellen und auf den Laufwegen?
Rückblickend war die Igel-Peepshow also weniger harmlose Abendunterhaltung als der Anfang einer gewissen kameratechnischen Eskalation.
Der Prime-Day-Effekt
Mit der ersten Kamera war die Sache eigentlich geklärt. Dann kamen die Prime Days. Plötzlich wirkten zusätzliche Kameras nicht mehr wie unnötige Technik, sondern wie eine seltene wissenschaftliche Gelegenheit mit Rabattcode.
Eine für den Boden, eine für die Feige, eine für die Futterstelle – und vielleicht noch eine, falls ausgerechnet dort etwas passiert, wo gerade keine Kamera hinsieht. Die Igel-Peepshow, die Prime Days … und plötzlich waren es ganz viele. Wir können uns bis heute nicht ganz erklären, wie das passieren konnte.
So wuchs nicht der Garten, sondern nur seine Beobachtungsdichte. Jede zusätzliche Kamera lieferte neue Perspektiven – und fast immer den Eindruck, dass man für ein vollständiges Bild vermutlich noch eine Kamera bräuchte.
Heute: ein Archiv aus Tag- und Nachtschichten
Die Kameras dokumentieren Laufwege, Futterstellen, Äste und die Bereiche in und unter der alten Feige. Die Tiere werden nicht für Szenen trainiert oder inszeniert. Gezeigt wird, was ohnehin passiert – lustig, erstaunlich intelligent und manchmal brutal.